Urs Obrist,1942

Vorzeit

Primarschule habe ich mit einigem Erfolg absolviert, dann die Bezirksschule trotz meiner Schwäche im Kopfrechnen. Die vier Jahre im als interner Student im Kloster Wettingen waren hart, aber in vielen Bereichen eine Offenbarung. Musik, Zeichnen, Sport, Sprache – eine Welt tat sich dem Kind vom Land auf. Ich träumte davon, Musiker zu werden.
Daraus wurde nichts. Zwar bestand ich die Aufnahmeprüfung ans Konservatorium Basel, schlug Klavier und Orgel leidlich, studierte ein Jahr lang – um zu erkennen, dass neben der Begeisterung auch Talent nötig wäre.

Jugend

Wie das Leben halt so spielt: Ich erwarb das eidgenössische Turnlehrerdiplom I & II, das aargauische Bezirkslehrerdiplom für Mathematik, Physik, Chemie, Sport. Die klassische Musik begeitete mich nur noch ausserberuflich.
Bei der Aufnahmeprüfung für den Turnlehrerkurs kollidierte ich auf der Kunsteisbahn mit einer Frau. Der Sturz hatte gravierende Folgen. Diese (die Frau, nicht die Kunsteisbahn) verführte mich zum Tanzen. Dieses, das Fotographieren, die Familie mit zwei Töchtern hielten mich in Atem bis der Computer erfunden wurde.

Mittelalter

Daneben gab es 35 Jahre Lehrtätigkeit mit Jugendlichen zwischen 12 und 16. Nach einigen Startschwierigkeiten und mit zunehmendem Alter sind mir die Jugendlichen in diesem oft schwierigen Alter sehr ans Herz gewachsen. Sie haben eine Ehrlichkeit und eine liebenswerte Direktheit, die ich bei Erwachsenen vermisse.

In all den Jahren habe ich gemerkt, dass im Lehrerberuf der Perfektionismus keinen Platz hat. Ich habe diesen (den Perfektionismus, nicht den Lehrerberuf) in meiner Freizeit ausgelebt. Ich hatte Gelegenheit, meine Werke, Fotos in Schwarzweiss, in Ausstellungen und Zeitschriften zu zeigen. Ich bin mit den Werken – meinen Möglichkeiten und Fähigkeiten entsprechend – zufrieden.

Spätzeit

Vor einigen Jahren habe ich meine Dunkelkammerausrüstung verschenkt und mich ganz der virtuellen Welt verschrieben. Ich masse mir an, das digitale Handwerkszeug (Digitalkamera, Photoshop, Dreamweaver, Indesign, Illustrator) leidlich zu beherrschen.

In letzter Zeit hat mich die Geologie in ihren Bann gezogen. Die Welt der Mineralien und Kristalle war mir bisher entgangen. Das Zusammenspiel von Chemie, Physik, Zeitdimension erschafft eine unendliche, faszinierende Gestaltungsvielfalt.

Ganz unauffällig haben fünf Enkelkinder einen wichtigen Platz in meinem Leben eingenommen. Ich kann mir das Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Es ist ein grosses Glück, sie in der Nähe zu haben.